19. Juni 2026
Wenn historische Bootshäuser zu einem einzigartigen Hospitality-Erlebnis werden
Was passiert, wenn geschichtsträchtige Bootshäuser und ausgediente Dampfschiffe eine neue Bestimmung erhalten. Das fiktive Konzept «Where Water Remembers» zeigt, wie sich kulturelles Erbe, innovative Architektur und moderne Hospitality zu einem einzigartigen Erlebnis entlang des Vierwaldstättersees verbinden lassen.
Autorin
Chiara Di Donato
Wenn Architektur Geschichte weitererzählt
Der Vierwaldstättersee war lange bevor Strassen und Eisenbahnen die Schweiz prägten eine der wichtigsten Verkehrsachsen des Landes. Über seine Gewässer wurden Waren transportiert, Menschen verbunden und Kulturen miteinander verknüpft.
Genau dieser geschichtliche Hintergrund steht im Zentrum des Konzepts «Where Water Remembers», für welches unser Creation-Team beim Archiol Wettbewerb mit einer Honourable Mention ausgezeichnet wurde.
Das Projekt verbindet authentische Architektur mit zeitgemässer Gastfreundschaft und zeigt eindrucksvoll, wie bestehende Bausubstanz neu interpretiert werden kann, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Im Mittelpunkt stehen dabei historische Bootshäuser entlang des Vierwaldstättersees sowie ehemalige Dampfschiffe, die gemeinsam zu einem dezentralen Hotelkonzept transformiert werden.

Bootshäuser als exklusive Hotelzimmer
Die sogenannten Bootshäuser waren einst ein wichtiger Bestandteil der regionalen Infrastruktur. Sie dienten als Schutz- und Lagerorte für Boote und waren eng mit dem Waren- und Personenverkehr auf dem See verbunden.
Viele dieser Gebäude existieren bis heute, werden jedoch nur noch eingeschränkt genutzt. Das Konzept sieht vor, diese bedeutungsvollen Bauwerke in exklusive Hotelzimmer umzuwandeln und ihnen dadurch eine neue Funktion zu geben.
Dabei bleibt die ursprüngliche Architektur weitgehend erhalten. Statt umfassender Eingriffe wird ein moderner Glaskubus in die bestehende Struktur integriert. Dieser öffnet die Räume zum Wasser hin und macht den See selbst zum zentralen Bestandteil des Gästeerlebnisses.
Die Gäste schlafen direkt am Wasser, erleben wechselnde Lichtstimmungen und beobachten das Leben rund um den See aus einer völlig neuen Perspektive.

Die Geschichte als Teil des Interieurs
Auch die Innenarchitektur greift die Geschichte des Ortes auf. Natürliche Materialien wie Holz und Stein bilden die Grundlage des Raumkonzepts und schaffen eine Verbindung zur historischen Bausubstanz.
Ergänzt werden sie durch subtile nautische Elemente wie Netze, Seilstrukturen und maritime Details, welche an die frühere Nutzung der Gebäude erinnern.
Der markante Glaskubus wird dabei nicht nur zum architektonischen Highlight, sondern auch zum identitätsstiftenden Element. Durch unterschiedliche Farbakzente erhält jedes Bootshaus einen eigenen Charakter und wird gleichzeitig als Orientierungspunkt in der Landschaft sichtbar.
Ehemalige Dampfschiffe werden zu Begegnungsorten
Während die Bootshäuser die privaten Rückzugsorte der Gäste bilden, übernehmen historische Dampfschiffe die öffentlichen Funktionen des Hotels.
Die Idee: Ausgediente Schiffe werden zu lebendigen Begegnungsorten und beherbergen Lobby, Bibliothek, Restaurant, Café oder Eventflächen. Die Hotelzimmer selbst sind nur per Bootstransfer erreichbar – und machen bereits die Anreise zu einem integralen Bestandteil des Gästeerlebnisses.
Damit bleiben die Schiffe weiterhin Teil des Lebens auf dem See – allerdings in einer neuen Rolle. Aus Transportmitteln werden Begegnungsorte. Aus Infrastruktur wird Hospitality.
Besonders spannend: Die Schiffe können an unterschiedlichen Standorten eingesetzt werden und schaffen dadurch ein dynamisches und abwechslungsreiches Gästeerlebnis rund um den gesamten See.
Eine Alternative zum Massentourismus
Das Konzept versteht sich bewusst als Gegenmodell zum klassischen Massentourismus. Anstatt grosse Hotelanlagen oder standardisierte Erlebnisse zu schaffen, setzt «Where Water Remembers» auf Entschleunigung und die enge Verbindung zur regionalen Kultur.
Die Gäste entdecken nicht nur einzelne Orte, sondern den gesamten Vierwaldstättersee als zusammenhängende Erlebnislandschaft. Kleine Gemeinden, historische Bauwerke und lokale Geschichten werden Teil einer Reise, die weit über eine gewöhnliche Hotelübernachtung hinausgeht.
Wenn Denkmalschutz auf Hospitality trifft
«Where Water Remembers» zeigt eindrucksvoll, wie denkmalgeschützte Architektur und zeitgemässe Hospitality miteinander verschmelzen können.
Historische Strukturen werden dabei nicht als statische Erinnerungsstücke bewahrt, sondern aktiv in die Gegenwart integriert. Aus ehemaligen Verkehrsbauten entstehen so Orte des Ankommens, der Begegnung und des Erlebens.
Auch wenn «Where Water Remembers» ein fiktives Konzept ist, greift es Themen auf, welche die Hospitality-Branche zunehmend beschäftigen: die Umnutzung bestehender Bausubstanzen, authentische Gästeerlebnisse und der respektvolle Umgang mit kulturellem Erbe.
Und vielleicht liegt genau darin die spannendste Form von Gastfreundschaft: Räume zu schaffen, die nicht nur einen Aufenthalt ermöglichen, sondern Geschichte erlebbar machen.
Nutzen Sie unsere Design-Expertise für Ihr Innenarchitektur-Projekt
Chiara Di Donato
Innenarchitektin
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